Kapitel 5: Ist schon okay

„Ist schon okay“ würde ich gern sagen.
Habe ich das nicht schon immer gesagt?
Habe ich das nicht schon immer gedacht?
Die Wahrheit tut manchmal weh –
deswegen will sie dann doch niemand haben.
Irgendwann dreht man sich im Kreis,
verloren in Gedanken, Träumen, Vergangenheit.
Aus dem „ist schon okay“ wird Stille.
Aus dem „ist schon okay“ wird Leere.
Aus der Leere wird Unzufriedenheit.
Aus Unzufriedenheit wird Verdrängung.
Aus Verdrängung wird Lüge.
Aus der Lüge wird ein „ist schon okay“.
Ein ewiger Kreislauf.
Mein Kreislauf?
Dein Kreislauf?

1.

„Ist schon okay“ sage ich mir immer wieder.
Ich bin auf der großen Bühne der Welt.
Ich spiele das Stück: Das Leben.
Ich spiele die Rolle: Ich.
Ich zeige mich so wie sie angebracht ist,
denn ich weiß, dass jeder wertet.
Und ich sage „ist schon okay“
und ich denke „aber es ist nicht okay“.
Jeder weiß, dass es nicht okay ist
und viele sind zu emotional um auch nur ansatzweise objektiv zu bleiben.
Viele können nicht differenzieren:
Zwischen dies und das.
Zwischen Privat und Arbeit –
und dann sind sie unzufrieden mit einem.
Dann sage ich mir „ist schon okay“
aber jetzt bin ich ehrlich:
es ist nicht okay. Es nervt.
Und Ehrlichkeit kann weh tun,
deswegen will man sie dann doch lieber nicht hören.

2.

Seit Monaten im Stillstand vor lauter „ist schon okay“
denn mein Traum bröckelt und ist nur noch eine Illusion seiner Selbst.
Das „ist schon okay“ reden hat ihn ruiniert.
Viele schauen zu,
mancher fühlt gleich,
viele wissen es genau,
nichts passiert und man sagt „ist schon okay“.

3.

Diese drei Wörter kann man auf so vieles im aktuellen Weltgeschehen beziehen.
Der Populismus kommt, die Rechten vermehren sich wie Unkraut
und man kann auch nicht pauschalisiert sagen, dass sie alle dumm sind.
Nein, so einfach geht das nicht.
Einfach ist bequem, bequem ist typisch deutsch.
Irgendwann und irgendwo haben wir verpasst diese Stimmen zu hören,
wir haben weggeguckt, vielleicht nicht alle,
aber zu viele und jetzt sind alle überrascht.
Wie konnte das passieren? „Ist schon okay“.
Ah, noch etwas:
Auf den Plakaten von deutschen Filmen sind übrigens auch immer die selben SchauspielerINNEN. Ist halt bequem.
„Ist schon okay“.

4.

Ich überlege wie ich etwas ändern kann,
meiner Meinung nach richtig gegenüber meiner Werte und Vorstellungen.
Ich finde Lösungen aber sie stellen mich nicht zufrieden,
ich schreibe Texte aber so viele werden sie eh nicht lesen.
Ich weiß es und es wird so bleiben, aber vielleicht bewege ich ja eine Person damit.

5.

Letztens ist es mir tatsächlich passiert,
der eine Satz,
der einfach so aus mir rauskam,
der für so viel mehr spricht als nur in diesem Moment.
Es ist soweit:
Ich weiß nicht mehr
was ich sagen soll.
Zu dem, zu dem Ganzen hier.

Ja, mein Jahr war in Allem schön und trotzdem hat es mich zu diesem Satz geführt.
Ich bedanke mich bei den Menschen, die mich letzten Endes soweit gebracht haben.
Ich weiß jetzt noch mehr was ich will, was ich nicht will und eigentlich weiß ich nichts.
Einfach.
Mehr.
Verirrung.
Das ist ein Abenteuer!

Ich würde gern sagen:
„Ist schon okay“,
aber irgendwie fühlt es sich so nicht an.
„Ist nicht mehr okay“,
fühlt sich besser an.

 

 

 

 

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